So bezahlen Sie sicher im Internet

Online-Shopping wird immer beliebter. Mittlerweile kann man nicht nur Kleidung und Elektrogeräte über das Internet bestellen, sondern auch den wöchentlichen Supermarkteinkauf. Und damit gewinnt auch das Bezahlen des Online-Einkaufs an Bedeutung. Die Bezahlmethoden im Internet werden stetig vielfältiger, so dass Verbraucher schnell den Überblick verlieren, welche hiervon sicher sind und gleichzeitig zu einem möglichst schnellen Versand der Ware führen. Zudem sind fast täglich Meldungen über Betrügereien im Internet zu lesen, bei welchen Käufer die bestellte und bezahlte Ware entweder nie erhalten oder persönlichen Daten von Kriminellen missbräuchlich verwendet werden. Zurück bleiben verunsicherte Kunden.


Wir haben daher Sebastian Barchnicki, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule – if(is) im Bereich Strategieentwicklung IT-Sicherheit, befragt, wie man am sichersten online bezahlen kann und was rund um das Thema Online-Shopping beachtet werden sollte.

The Safe Shop: Herr Barchnicki, was sollten Verbraucher beachten, wenn Sie zum ersten Mal bei einem Online-Händler Ware erwerben möchten? Gibt es etwa spezielle Merkmale an denen der Kunde erkennen kann ob eine E-Commerce Seite seriös ist?

Sebastian Barchnicki: „Ja! Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten um herauszufinden wie es um die Seriosität eines Händlers bestellt ist. Zwar sind das immer nur Indikationen und eine 100%ige Sicherheit gibt es natürlich auch hier nicht, aber das Risiko lässt sich in jedem Fall deutlich minimieren. So lässt sich über eine kurze Suchmaschinenanfrage nach dem Händlernamen in sehr kurzer Zeit herausfinden ob dieser bereits im Mittelpunkt von Problemdiskussionen in Foren steht oder es anderweitige Schwierigkeiten mit ihm gibt. Des Weiteren gibt es Bewertungsportale, die Bewertungen durch Kunden sammeln und öffentlich zur Verfügung stellen. Hier ist es wichtig, dass es nicht nur eine Handvoll Bewertungen gibt, sondern möglichst unterschiedliche, über einen langen Zeitraum entstandene Rezensionen durch die Nutzer. Natürlich ist es in erster Linie wichtig, dass die Bewertungsportale seriös sind. Diverse Preisvergleichsportale wie beispielsweise Geizhals oder Idealo bieten neben der Preissuche auch die Funktion der Händlerbewertung an. Die von den Nutzern verfassten Kritiken und vergebenen Beurteilungen können wichtige Hinweise liefern, wie gut der Service eines Händlers ist.

Zusätzlich ist es ratsam einen Blick in das Impressum eines Onlineshops zu werfen. Suggeriert beispielsweise ein Onlineshop die Nähe zum Kunden in Deutschland und bietet seine Waren über eine deutsche .de Domain an, hat seinen Firmensitz jedoch im Ausland, so kann dies ein Indikator für einen unseriösen Onlineshop sein. Denn bei Nichtlieferung oder Problemen mit dem Shop-Betreiber ist dann im Zweifelsfall der Gerichtsstand im Ausland relevant. Dies kann unter Umständen sehr problematisch für die Kunden werden und das Kalkül des Händlers sein, da Kunden in der Regel die Kosten und Mühen scheuen, wenn es darauf ankommt im Ausland Recht zu bekommen.

Eines der wichtigsten Merkmale seriöser E-Commerce-Seiten ist eine verschlüsselte Verbindung (HTTPS Transportverschlüsselung) zwischen dem Onlineshop und dem eigenen Browser in Verbindung mit gültigen Zertifikaten. Leider gibt es immer noch Onlineshops, die eine unverschlüsselte Übertragung per HTTP anbieten ohne die Möglichkeit die Daten verschlüsselt zu übermitteln. Diese Shops sollte der Nutzer unbedingt meiden. Vielen Nutzern ist in diesem Fall nämlich nicht bewusst, dass die beim Einkauf übermittelten persönlichen Daten wie Adresse, Bankverbindung, Kreditkartendaten etc. im Klartext über das Internet übertragen werden. Das ist so als würde man sie auf eine Postkarte schreiben und dann in den nächstgelegenen Briefkasten werfen. Bietet ein Onlinehändler also keine sichere Verbindung per HTTPS an, so sollte man hier auf einen Einkauf verzichten. Im Internet ist die Konkurrenz, welche eine Transportverschlüsselung anbietet, nur einen Mausklick entfernt.“

The Safe Shop: Welche Bezahlmethoden sind die sichersten, welche Bezahlmethoden sollte man eher meiden?

Sebastian Barchnicki: „Hier ist in erster Linie natürlich entscheidend, welche Bezahlmethoden der Händler anbietet, bei dem eine Bestellung getätigt werden soll. Im Ausland hat der Nutzer meist kaum Auswahl und muss oft auf Kreditkarte oder Paypal zurückgreifen, auch wenn hier viele Zahlungsdaten anfallen, welche auf ausländischen Servern landen. Im Inland und in der EU hingegen hat der Nutzer deutlich mehr Möglichkeiten. Diese oft dauerhaft gespeicherten Kreditkartendaten können durch Kriminelle entwendet und leicht missbraucht werden. Hier ist die Zahlung auf Rechnung sicher die beste Wahl, die allerdings aufgrund des Risikos eher von wenigen Händlern angeboten wird. Die Bezahlung per Vorkasse sollte nur genutzt werden, wenn bereits Erfahrungen mit dem Shop bestehen und der Nutzer ihm gewissermaßen vertraut. Zusätzlich sollten Methoden für den reinen Bargeldtransfer (z.B. Western Union) gemieden werden. Hier sind die Betrugsmöglichkeiten groß und auch wenn die Idee dahinter sicher keine schlechte ist, werden diese Dienste immer wieder für Betrugsfälle genutzt. Eine weitere sichere Möglichkeit ist die Bestellung per Nachnahme. Hierbei bezahlt der Kunde die Ware bei der Zustellung durch den Paketboten an der Haustür.“

The Safe Shop: Einige Bezahldienste fordern den Verbraucher auf durch Eingabe von PIN und TAN auf ihrer Seite die entsprechende Zahlung freizugeben. Die meisten Banken weisen ihre Kunden jedoch darauf hin, entsprechende Daten nur auf der Homepage der jeweiligen Bank zu benutzen. Ist es aus Ihrer Sicht dennoch vertretbar entsprechende Bezahldienste zu nutzen?

Sebastian Barchnicki: „Auf keinen Fall! Login-Daten der Bank sollten nicht weitergegeben werden, ganz egal in welcher Form. Weder die Zugangsdaten zum Onlinekonto, noch die personalisierten PINs und TANs. Viele Banken verbieten das sogar explizit in ihren AGBs und bei einem Verstoß riskiert der Bankkunde im Schadensfall vollständig auf dem entstandenen Schaden sitzenzubleiben. Zudem sind Dienste, welche sich für eine sogenannte „sofortige Überweisung“ mit Hilfe der Zugangsdaten, die dann womöglich dauerhaft gespeichert werden, den vollständigen Zugriff auf das Konto des Nutzers verschaffen, in jedem Fall zu meiden. Hier ist nämlich vollkommen unklar, welche Daten dauerhaft auf den Servern des Betreibers gespeichert und zur Profilbildung des Nutzers verwendet werden. Der Nutzer sollte sich einmal die Frage stellen, ob er an der Kasse im Supermarkt bereit wäre, bei einer Zahlung der Ware sämtliche Kopien aller Kontoauszüge der letzten Monate und seine Bankkarte inklusive der dazugehörigen PIN für zukünftige Einkäufe da zu lassen.“

The Safe Shop: Was können Verbraucher tun, wenn Sie einen Artikel per Vorkasse bezahlt haben, diesen aber nicht erhalten?

Sebastian Barchnicki: „Erst einmal muss dies natürlich nichts Schlimmes bedeuten. Der Händler sollte freundlich darauf hingewiesen werden, dass die gelieferte Bestellung noch aussteht. Hier gibt es oft viele Gründe für eine verzögerte Lieferung. Der Versand einer Bestellung kann sich beispielsweise aufgrund von Urlaubszeiten verzögern. Auch die Paketdienste können hier das Problem sein, da Pakete manchmal, wie beim jüngsten Streik, liegenbleiben können oder auf dem Versandweg ohne Verschulden des Händlers verloren gehen. Auch ein Kontakt mit dem Zustelldienst selbst kann sehr hilfreich sein, sofern sich das Paket auf dem Weg befindet aber nicht fristgerecht zugestellt wurde. Auch Zahlungsdienste wie Paypal bieten hier die Möglichkeiten zu helfen, sofern es zu Konflikten mit dem Anbieter kommt.

Natürlich gibt es auch schwarze Schafe. Kriminelle nutzen die modernen Möglichkeiten des E-Commerce um Kunden mit ansprechenden Shops hinters Licht zu führen und bestellte sowie bezahlte Ware nicht zu liefern. In solchen Situationen ist eine Internetrecherche zu diesem Thema und dem Händler selbst ein guter Anfang. Auch die Verbraucherschutzzentrale ist ein empfehlenswerter Ansprechpartner. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen und weiß abhängig von der Situation und der Schadenshöhe, welche Maßnahmen zu ergreifen sind.
Um Betrügern aus dem Weg zu gehen, sollte der Nutzer von vorne herein auf Rechnung oder per Nachahme bestellen.

Um auf der sicheren Seite zu sein empfehlen wir unsere kostenfreie App „securityNews“, die es für Android, Windows und iOS gibt. securityNews ist ein kostenloser Sicherheitsservice für Privatanwender und Unternehmen. Er informiert Sie in verständlicher Sprache darüber, wie Sie sich vor aktuellen Gefahren im Web schützen können. Dabei geht es im Kern um Schnelligkeit: Kriminelle können offene Sicherheitslücken in gängiger Standardsoftware sofort nach dem Bekanntwerden ausnutzen. Deshalb ist es essentiell, dass Sie Sicherheitsupdates unmittelbar nach der Veröffentlichung einspielen. Unsere Experten helfen Ihnen dabei, die Angriffsfläche Ihres Systems zu minimieren, indem sie täglich Meldungen auswählen und Sie in dringenden Fällen direkt via Push-Benachrichtigung kontaktieren.“

Mani Bischoff von homepage-baukasten.de, ein Anbieter zur Erstellung von Webseiten, hat zudem ein paar Tipps für Betreiber von Online-Shops, die das Einkaufserlebnis für ihre Kunden so angenehm wie möglich gestalten möchten: „Wichtig ist ein einfach und übersichtlich gestalteter Warenkorb, der die verschiedenen Zahlungsanbieter direkt einbindet. Der Zahlanbieter sollte sich in einem neuen Fenster öffnen und nach erfolgtem Zahlvorgang den Kunden zurückleiten.“

Weitere Informationen und Hinweise zum sicheren Bezahlen im Internet können Sie auch unserer Infografik entnehmen.

 

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